Ärgerliches: Der Koch ist nicht im Haus

Stellen Sie sich vor, Sie möchten einen entspannten Urlaubstag im Sommer verbringen und Sie entscheiden sich für eine Fahrradtour ins Oderbruch.

Gesagt, getan, wir haben mit der Regionalbahn den östlichen Teil Brandenburgs erreicht, radeln durch die charakteristische, teilweise wie ausgestorben wirkende Landschaft (weit und breit kein Mensch), beobachten Störche, Kühe, Pferde, entdecken Landwirte bei der Ernte (ah, doch Menschen) und bekommen irgendwann auch einmal Hunger.

Ein Blick auf die Radwanderkarte zeigt, dass nach den bereits durchquerten sehenswerten Orten des Oderbruchs eines der bekanntesten Grenzdörfer direkt an der Oder nun nicht mehr weit entfernt ist. Wir beschließen dort eine längere Pause einzulegen und den Hunger zu stillen.

Zur Auswahl stehen zwei Restaurants und wir entscheiden uns für das wirklich hübsch hergerichtete Restaurant, welches in einem ehemaligen Baudenkmal gepflegt und idyllisch am Wegesrand gelegen ist. Das Gelände zeigt sich sehr hübsch, weitläufig, sauber, liebevoll arrangierte Blumen, ein kleiner Kräutergarten, vereinzelte und geschickt in Szene gesetzte Kunstwerke,… kurzum – die Location wirkt ansprechend und wir suchen das Restaurant im Garten auf.

Es ist kurz nach der eigentlichen Mittagszeit, drei der fünfzehn Tische sind nur noch besetzt, wir nehmen Platz – und es passiert erst einmal lange gar nichts.

Das macht uns nichts weiter aus. Die Hitze hat uns ein wenig träge gemacht, nach und nach nutzen wir die Gelegenheit, uns ein wenig frisch zu machen, anzukommen und aus der auf dem Tisch liegenden Speisekarte schon einmal Speisen und Getränke auszuwählen – dann geht’s gleich schneller, wenn der Service kommt.

Das Durstgefühl steigt und neben dem Hunger auch der Appetit auf die ausgewählte Köstlichkeit – und dann endlich kommt die Servicekraft.

Wir beginnen mit der Bestellung, erst Getränk und dann Speise, ich hätte gerne einen Salat mit Ziegenkäse. Die Dame mit dem Zettel und dem Stift, stockt, guckt betroffen und bemerkt dann: „Äh, es tut mir leid, aber der Koch ist nicht da.“

Nun ist es an mir zu stutzen. Ich bemerke, ich wolle ja nur einen Salat und der müsse nicht gekocht werden, aber wenn das nicht geht, frage ich eben, was sie uns denn zum Essen anbieten könne.

Naja, eine Suppe könne Sie uns schon bringen. Aha, denke ich, die wird also nur aufgewärmt, egal, wir haben Hunger, verzichten auf die regionalen Köstlichkeiten auf der Speisekarte, haben keine Lust mehr, in die andere Location zu wechseln, wollen eben Pause machen.

Nachdem wir unsere Suppe ausgelöffelt haben und die Dame (jetzt ohne Zettel und Stift) die Teller abräumt, frage ich noch einmal höflich, zu welcher Zeit sie denn normalerweise warme Küche anbieten würde, falls wir nochmal wiederkommen möchten.

Die Dame mit den Tellern in der Hand erklärt: „Eigentlich bieten wir ganztägig (also ab mittags) warme Küche an. Nur heute, da ist der Koch, der gleichzeitig der Chef ist, nicht da. Er hat einen wichtigen Termin.“

„Nun“, sage ich, „dann bestellen sie dem Chef doch bitte einen schönen Gruß verbunden mit der Frage: Was ist wichtiger, ein Termin oder die Gäste?“

Dann habe ich die Dame mit Zettel, Stift, Tellern usw. noch gefragt: „Was hätten sie eigentlich gemacht, wenn der Laden voll gewesen wäre?“

„Och, so ein Schnitzel oder Nudeln kann ich auch – aber einen Salat….“

Na dann Prost!

P.S.: Die Location wirbt auf ihrer Internetseite mit regionaler Küche, selbstgebackenem Kuchen und sogar einer Pastabar für Radfahrer. Glauben Sie nicht alles!

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