Verblüffendes: Was macht der Weihnachtsbaum im Sommer?

Ende letzten Jahres habe ich mir kurz vor Weihnachten in einer Gärtnerei einen hübschen kleinen Baum gekauft, der dann in der Weihnachtszeit mein Wohnzimmer schmücken durfte.

Es war ein ganz besonderer Baum, zuerst ein wenig unscheinbar, aber beim näheren Hinsehen wohl gewachsen. Sein Vorteil: Er ist in seinem Topf groß geworden, nicht wie viele andere, die man aus der freien Natur einfach ohne Wurzelwerk in einen Topf stopft.

In der Weihnachtszeit hat er seine Aufgabe hervorragend gemeistert und er hat meinen Raum wunderbar geziert. Einer seiner weiteren Vorteile: Im Topf gewachsene Weihnachtsbäume sind sehr pflegeleicht und nadeln nicht.

Weihnachtsbaum

Irgendwann jedoch endet die Weihnachtszeit und es stellte sich mir die Frage: Was mache ich nun mit meinem Baum? Er ist also umgezogen auf den Balkon, raus in die Natur, zu Eis und Schnee und durfte gemeinsam mit mir auf den Frühling warten. Dann wollte ich ihn gern in einen größeren Topf umtopfen und habe im Stillen gehofft, mein Bäumchen könnte beim nächsten Weihnachtsfest wieder mein Wohnzimmer schmücken.

Nun hat der Frühling in diesem Jahr ja etwas länger auf sich warten lassen und es gab einfach nicht die passende Gelegenheit zum Umtopfen, schließlich sollten die eingingen zum Umgewöhnen perfekt sein.

Er hat noch eine ehrenvolle Aufgabe zu Ostern erhalten, aber so richtig schön war das auch schon nicht mehr.

Osterbaum

So kam es, dass meinem Tannenbau nun doch sein Topf zu klein wurde und er begann zuerst leicht zu nadeln, dann immer mehr, schließlich veränderte sich die Farbe und es war klar: Auch Umtopfen kann ihn nicht mehr retten.

Sollte er nun das Schicksal seines traurigen Vorgängers erleiden?

Biobaum

Das widerstrebte mir zutiefst und meinem Baum auch. Er ließ sich nämlich nicht aus seinem Topf herauslösen, verständlich, es war ja sein zuhause.

Also bin ich ein wenig deutlicher vorgegangen. Den nadelnden Baum in seinem Topf durch unser zu Haus zu schleppen und eine Tannennadelspur zu hinterlassen, die noch nächstes Weihnachten zu sehen wäre – nein danke. Auch wollte ich selbst nicht aussehen wie ein wandelnder Nadelbaum und noch in der kommenden Adventszeit Reste meines Baumes an mir entdecken.

Folglich habe ich die Gartenschere genommen und alle trockenen Äste vom Stamm getrennt und dann entsorgt. Diesen wirklich traurigen Anblick habe ich nicht im Bild festgehalten, das war wirklich hart. Trotz mangelnder Fürsorge ließ sich der Baum auch in dem kommenden Tagen nicht aus seinem Topf herauslösen.

Allerdings konnte ich neues Leben entdecken. Nein, der Stamm hat keine neuen Zweige hervorgebracht, aber in der Erde erwachte neues Leben. Kleine zarte Sprösslinge reckten die ersten zarten Blätter ins Licht. Ganz klar: Frühling.

Sollte ich dieses zarte Leben nun mutwillig zerstören? Nein.

Ich habe mich darauf eingelassen und noch den ein oder anderen Keimling, der kein richtiges Zuhause fand, dort mit abgesetzt. Bis auf ein wenig Wasser  allerdings gab es dort weiterhin keine Pflege.

Und heute? Heute ist aus meinem traurigen Tannenbaumstamm ein niedliches kleines Biotop geworden. Und für das ein oder andere Kraut ist es wirklich gut einen starken Stamm zum Anlehnen gefunden zu haben.

Stammhalter

Ist es nicht verblüffend, was aus einer nicht vorhandenen Perspektive entstehen kann? Für mich steht dieses Biotop zurzeit als Bild für eine zweite Chance und dass man auf den ersten Blick nicht immer sehen und erkennen kann, ob es sich noch lohnt.

Wie im richtigen Leben eben. Verblüffend.

Biotop

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